Sinisa kostelac (costa)

Sinisa KostelacAls ich acht Jahre alt war, wollte ich unbedingt Taekwondo trainieren. Mein Vater fand mich noch zu klein für Kampfsport und liess mich zwei volle Jahre warten. Mit zehn Jahren durfte ich dann endlich zusammen mit meiner älteren Schwester in den Taekwondo Club Bjelovar gehen. Ich war begeistert, als ich alle diese Jungs und Mädchen trainieren gesehen habe und wollte noch am gleichen Tag anfangen. Wir trainierten dreimal wöchentlich. Das hat meinem Vater später nicht mehr gepasst, weil wir etwa 4 km vom Taekwondo Club Bjelovar entfernt wohnten und er uns immer ins Training fahren und wieder abholen musste. Mehrere Monate später hatte er schliesslich keine Energie mehr, uns zu fahren. Damit wir weiter trainieren konnten, mussten wir die 8 km zu Fuss gehen. Zuerst war ich sehr wütend, vor allem wenn ich sah, wie die anderen Kids mit ihren Eltern mit dem Auto gefahren wurden, und meine Schwester und ich laufen mussten. Heute weiss ich jedoch, dass mein Vater eine gute Entscheidung getroffen hatte. Dieser Lauf vor und nach dem Training hat mir viel gebracht, psychisch wie physisch.

Drei Jahre später durfte ich an unserem Club - Turnier teilnehmen. Das war mein erstes Taekwondo Turnier, das ich gewonnen habe. Alle Gewinner kriegten ein T-Shirt mit dem Club Logo darauf. Ich war so glücklich darüber, dass ich noch monatelang fast nur dieses T-Shirt getragen habe. Erst nach vier Jahren Training, mit rot-schwarzem Gurt, nahm ich an meinem ersten offiziellen Turnier (Kroatischen Meisterschaft) teil. Ich musste gleich sechsmal kämpfen und sicherte mir den 2. Platz. Mein Trainer war sehr zufrieden und schickte mich zwei Wochen später an die Kroatische Juniorenmeisterschaft. Dort erreichte ich ebenfalls den zweiten Platz. Diese beiden Turniere empfand ich als den Zeitpunkt, zu dem ich eigentlich erst richtig mit Taekwondo angefangen habe.

Von 1994 bis 2001 trainierte ich fünfmal wöchentlich und baute meine Taekwondo - Karriere auf. In dieser Zeit gewann ich mehrere internationale sowie nationale Turniere, und war auch Mitglied des Kroatischen Nationalteams. Nach dem Krieg war die Arbeitslosigkeit sehr hoch und meine Eltern hatten kein Geld mehr, um meine Sportkarriere zu fördern. Ich suchte mir einen Job und konnte nicht mehr so viel trainieren. Nachdem sich die Situation in Kroatien wieder verbessert hatte, versuchte ich, mich erneut an der Spitze des kroatischen Taekwondo zu platzieren. Aufgrund der langen Pause, den Trainingslücken und neben dem Job war das nicht mehr erreichbar.

Heute arbeite ich als Fitness Trainer und habe daneben einen eigenen Taekwondo Club für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Zürich aufgebaut. An sechs Tagen pro Woche unterrichte ich Taekwondo. Die Arbeit mit den Schülern bereitet mir viel Freude und es ist schön, ihnen Dinge beizubringen, die mir in meinem Leben viel geholfen haben. Ich selber trainiere zwei- bis viermal pro Monat in der Kim Taekwondo Schule Biel bei Meister René Bundeli.

 

Wichtige Stationen meiner Sport - Laufbahn:
   
1995 1. Dan (bei Lee Kwang Baeom, 9. Dan)
1997 2. Dan (bei Lee Kwang Baeom, 9. Dan)
1998 Taekwondo - Demoteam (Militär)
2001 Trainerdiplom
2005 3. Dan (bei Andelko Vucenik, 7. Dan)
2006 Diplom als Fitness-Trainer
2007/08 Trainerausbildung an der Eidgenössische Hochschule für Sport Magglingen
 
   
demo team
   
Taekwondo Qualifikationsturnier
   

 

 

croatia open

Sinisa Kostelac, Croatia Open

 

Besonders das Croatia Open (A-Turnier) vom November 1998 ist mir in Erinnerung geblieben. An diesem Tag hatte ich zusammen mit einem Kollegen aus dem gleichen Club auf der Fahrt nach Zagreb einen Unfall. Die Strasse war eisig, wir rutschten und das Auto überschlug sich in den Strassengraben aufs Dach. Wir hatten beide blaue Flecken und ein paar Wunden vom zerbrochenen Glas. Das Croatia Open war jedoch sehr wichtig für mich, denn ein Sieg hätte mich an die Spitze der Rangliste der Kroatischen Nationalmannschaft gebracht. Trotz den Verletzungen entschied ich mich, weiterzufahren und am Turnier teilzunehmen. Nach vier harten Kämpfen holte ich die Goldmedaille. Mit diesem Sieg konnte ich mich zuvorderst auf der Rangliste platzieren.